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Was bedeutet die Leitzahl bei einem Blitzgerät?

leitzahl

Oftmals erreicht mich die Frage, was denn die Leitzahl bei einem Blitzgerät nun wirklich bedeutet und ob es sehr wichtig ist, beim Kauf darauf zu achten. Dieses möchte ich hier gerne beantworten.

Irgendwie muss ja die Leuchtkraft eines Systemblitzes angegeben werden, und das ist dann einfach die sogenannte Leitzahl. Grundsätzlich sei gesagt:

 

Umso höher die Leitzahl, umso höher die Blitzleistung bzw Reichweite

 

Das bedeutet, dass ein Blitz mit einer Leitzahl 40 wesentlich stärker ist als einer mit der Leitzahl 12. Ein externer Blitz hat meist schon eine höhere Leitzahl als die in der Kamera eingebauten. Die liegen so bei 12 bis 17, wobei externe Blitzgeräte bis zur Leitzahl 76 gehen. Also die mir Bekannnten. Vielleicht gibt es auch noch Stärkere. Will mich da jetzt nicht festlegen.

Doch was sagt uns die Leitzahl denn nun wirklich und was ist die Grundlage der Angabe beim Blitzgerät?

Die Leitzahlen werden in der Regel bei ISO 100 angegeben. Wenn ich nun also einen Blitz mit einer Leitzahl 32 habe und mit einer Blende von 8 arbeite, so kann ich auf einer Entfernung von 4 Metern das Objekt optimal belichten. 

 

Die Formel ist einfach: 

Leitzahl : Blende = Reichweite

 

Schauen wir uns das mal in einer Tabelle an. Als Vergleich ein Blitz mit LZ 32 und ein anderer mit LZ 56

 

Leitzahl

32

 

 

 

 

 

 

 

56

 

 

 

 

 

 

Blende/f
2.8 4 5.6 8 11 16 22   2.8 5.6  11   16 22 
Optimale Belichtung bei
einem Abstand zum Objekt
(in Metern) 
11,43 8 5,71 4 2,91 2 1,45   20 14 10 7 5  3,5 2,55

 

Eigentlich selbsterklärend,  oder?  Wenn ich bei Blende 5,6 bei den 32'er nur auf maximal 5,71 Meter ein Objekt vernünftig ausleuchten kann,  kann dieses bei dem 56'er sogar 10 Meter entfernt stehen.  Das ist schon ein ganz heftiger Unterschied. 

 

Die Reflektorposition ist entscheidend

Ein extrem wichtiger Faktor,  der leider viel zu häufig keine Beachtung findet,  ist der Reflektor des Blitzes.  Dieser hat einen eingebauten Zoom und passt sich in der Regel der Zoomeinstellung des Objektives an. Dieser ist auch gut hörbar am Blitz. Wenn Ihr mal die Kamera und den Blitz anschaltet,  dann am Zoom des Objektives dreht,  hört Ihr ein Geräusch am Blitz.  Auch kann man sehen,  wie der Reflektorzoom arbeitet.  Einfach mal reinschauen. 

Angenommen,  Du nutzt ein Zoom-Objektiv mit einer Brennweite von 18 -  55 mm.  Bei 18 mm bekommst Du mehr auf das Bild,  dass weißt Du.  Jetzt stelle Dir vor,  der Blitz füllt mit seiner Leuchteigenschaft nicht das ganze Bild aus,  sondern schießt das Licht wahllos und gebündelt nach vorne.  Würde doch fürchterlich aussehen.  Wie so eine Taschenlampe. In der Mitte hell und drumherum dunkel. Also stellt sich der eingebaute Reflektor auf auch 18 mm ein,  um das Licht mehr auf die Höhe und die Seiten zu verteilen. Das kostet dann natürlich wiederum Leistung nach vorne. 

Bei 55 mm hingegen bündelt der eingebaute Zoom des Reflektors das Licht und schießt es mehr nach vorne. Denn was soll er jetzt noch in der Breite und Höhe ausleuchten,  wenn es sowieso nicht auf dem Bild zu sehen ist? 

Standardmäßig haben die Blitze einen Zoomreflektor,  der Brennweiten bis 105 mm unterstützt. Eine Ausnahme gibt es,  nämlich die Nikon SB 900 und der neue SB 910.  Die unterstützen bis 200 mm.  So stark können die das Licht bündeln und nach vorne schiessen. Und umso mehr ein Blitz das Licht bündeln kann,  umso weiter reicht das Licht,  also umso höher die Leitzahl. 

So,  und nun aufgepasst,  wir kommen wir zu einem fiesen Verkaufstrick der Blitzhersteller,  nämlich das Argument der Leitzahl

 Folgende Zahlen sind aus der ISO-Tabelle aus der Gebrauchsanleitung vom Nikon SB 900. So eine Tabelle befindet sich in der Regel in jeder anderen Anleitung.  Ihr müsst nur mal danach schauen. Und nachdem Ihr das hier gelesen habt, könnt Ihr die Zahlen auch besser deuten. Es wird angegeben,  welche Leitzahl der Blitz bei welcher Zoomeinstellung bringt. 

 

Reflektorposition in mm
bezogen auf die Zoomeinstellung
des Objektivs 

 

Leitzahl 

     
18   23
24   27
35   34
50   40
105   49,5
200   56

 

Verkaufstrick "Leitzahl" 

Juchheirassa, jetzt wollt Ihr Euch einen Blitz kaufen, geht in die Läden oder guckt online und schwupps, werdet Ihr mit Leitzahlen konfrontiert. Doch habt Ihr vorher natürlich diesen Bericht hier gelesen und denkt jetzt,  eine hohe Leitzahl ist doch super,  da mache ich nix verkehrt.  Nööööööö,  ganz so einfach ist das dann doch nicht. Na gut, eigentlich schon, wenn Ihr auf folgenden Trick der Herstellers achtet:

Es gibt keine Regel, mit welcher ISO oder mit welchem Zoomwert die Leitzahl angegeben sein muss. Nun schaut Euch doch eben nochmal oben die Werte an und stellt Euch vor, Ihr habt zwei Verpackungen in der Hand. Auf der Einen steht ein Blitz mit der LZ 56, auf der anderen LZ 40.  Beide Blitze kosten das Gleiche.  Welchen würdet Ihr kaufen?  Na klar, den Stärkeren. Aber habt Ihr nun wirklich den Stärkeren gekauft?  Wahrscheinlich nicht!! Mit viel Glück eventuell die gleiche Stärke. Denn.......  die Hersteller schmeißen gerne auf der Verpackung mit Leitzahlen um sich, verschweigen aber auf den ersten Blick, bei welcher Zoomeinstellung der Wert angegeben wurde.

Nehmen wir mal die beiden Marktführer Nikon und Canon zum Vergleich. Nikon gibt für sein Flagschiff, den Nikon SB 910 die Leitzahl 34 an,  Canon dagegen mit seinem Speedlights 580EX II die Leitzahl 58. Nikon bei der Reflektorposition 34 mm, Canon bei 105 mm. Geht jetzt ein Licht auf?? 

Ein anderes Beispiel bei Amazon gefunden:

 

nikon-lz-34  canon-lz-43

 

Nach diesen Leitzahlen ist der Canon-Blitz 430 EX II, in der Modellreihe von Canon ein mittelstarker Blitz, wesentlich stärker als das Top-Produkt von Nikon. Und dazu sogar noch billiger!! Ja das ist doch klasse, oder?

 

In der Bedienungsanleitung von Canon bezüglich der ISO-Werte werden bei dem 580EX II und einer Reflektorposition 35 mm eine Leitzahl von 36 angegeben. Also ist der in dieser Reflektorposition genauso stark wie der Nikon. Nun würde sich natürlich niemand,  der eine Canon hat, einen Nikon - Blitz kaufen und umgekehrt. Weil.......  geht nicht. Interessant dagegen die Drittherstellter wie Metz, Nissin oder Yongnuo, die für jeden Kamerahersteller entsprechend kompatible Blitze anbieten. 

 

Der nigelnagelneue mecablitz 64 AF-1 Digital wird mit einer Leitzahl von 64 angegeben. Jedoch bei einer Reflektorposition von 200 mm. Bei  50 mm nur noch LZ 43. Noch ein kleiner Vergleich bei 50 mm?  Na dann...... 

 

Nikon SB 910 angegebene LZ auf Beschreibungen: 34 LZ bei 50 mm = 40
Canon 580 EX II angegebene LZ auf Beschreibungen: 58 LZ bei 50 mm = 42
Mecablitz 64 AF-1 angegebene LZ auf Beschreibungen: 64 LZ bei 50 mm = 43
Yongnuo YN 568 EX angegebene LZ auf Beschreibungen: 58 LZ bei 50 mm = 42

 

Also,  Jungs und Mädels, demnächst nicht mehr nur von der Leitzahl verlocken lassen, sondern schaut nach, bei welcher Reflektorposition UND ISO der Hersteller die LZ angibt. 

 

 

 

 

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