Fotoblog

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://dein-fotokurs.de/

Tagestrip mit Model nach Mailand - f/1.4 und das Übel

20170119_mailand_123_DxO

Es war mal wieder soweit und es zog mich für ein Fotoshooting nach Mailand. Und wer war schuld? Ryanair natürlich.

Mit seinen unverschämten Flugpreisen, bei denen man einfach nicht nein sagen kann. Gefunden für 34 Euro hin und zurück, dabei noch am gleichen Tag.... da musste ich wieder zuschlagen. Kurz eine Ausschreibung gemacht und es meldete sich auch ein Model, was auf TFP mit kam.

Die günstigen Flugpreise setzen natürlich voraus, dass man nur Handgepäck dabei hat. Und das auch nicht mehr als 10 KG. Da haben wir Fotografen natürlich wieder die Qual, welches Equipment mit soll und welches Zuhause bleiben darf. Da ich mit dem Model das erste Mal zusammen arbeite, will ich sie nicht mit der kleinen Sony konfrontieren. Zugegeben sieht es auch immer komisch aus, wenn man in der Öffentlichkeit einen auf dicke Hose macht und dann nur so eine kleine Kamera dabei hat. Zwar war sie mit im Gepäck, doch zum Einsatz sollte sie nur für Schnappschüsse kommen, da ich in Verbindung mit dem Zeiss 16 - 70 mm f/4 ein schönes Weitwinkel habe, welches mir momentan noch für die Nikon fehlt.

Den Flug habe ich klugerweise ab Berlin gewählt. Denn so konnte ich auf einem Rutsch endlich mal meine Tochter besuchen. Auf dem Weg nach Berlin bin ich noch in Hannover bei Enjoyyourcamera rein und hatte mir die Think Tank 30 gekauft. Wurde in Mailand gleich eingeweiht ;-)

Doch bevor ich überhaupt los gefahren bin, stant im Raum, welches Equipment ich denn so mitnehmen wollte. Ich entschied mich für folgende Dinge:

 

Equipment:

  • Nikon D750 mit Batteriegriff
  • Sigma 35 mm f/1.4 ART
  • Sigma 50 mm f/1.4 ART
  • Nikon AF-S 85 mm f/1.8
  • Tamron 70 - 200 mm f/2.8
  • Nikon SB900
  • Sony Alpha 6000
  • Zeiss 16 - 70 mm f/4

Gesamtgewicht inklusive Kleinteile und Tablet: ca 8 kg.

 

Was habe ich nicht mit, wäre aber vielleicht gut gewesen?

  • Kamerastativ
  • Aufheller
  • Lampenstativ für das entfesselte Blitzen

 

Das stellte ich mir vor:

Je nachdem was das Model dabei haben sollte, wollte ich auf jeden Fall viel Portrait schießen. Ich nahm an, das sie in ihren 10 kg Handgepäck  ein paar Überraschungen hat. Wobei sie eigentlich 20 kg mitnehmen kann, da ihr Mann auch mit fliegt. Der soll übrigens auch mit auf vereinzelte Fotos, da er ein cooler Typ ist. Wie auch immer..... man sollte auf den Fotos deutlich sehen, dass wir in Mailang geshootet haben. Dementsprechend werde ich die Tiefenschärfe meist großzügig auslegen, damit eben die Umgebung noch gut zu erkennen ist. Ausnahmen werden die Regel bestätigen.
Das Wetter wird uns den ganzen Tag Sonne bescheren, soweit man den Wettergöttern glauben kann. Da wäre natürlich ein Aufheller schön. Doch gibt es andere Mittel und Wege. Werde das Model dann so positionieren, dass ich darauf verzichten kann.
Der Rückflug geht erst um kurz vor 20 Uhr. Das bedeutet, es wird noch während unseres Aufenthalts dunkel in Mailand. Da wäre nun das Stativ schön. Aber egal..... ISO hoch, Blitz dazu direkt von der Kamera runter oder auch Available Light wo es möglich ist.

Ja, so der Plan. Was mir der Tag jedoch endgültig bringen sollte, werde ich dann abends sehen.

 

Der Tag vor dem Flug:

Die Tasche war gepackt. Mit dem oben genannten Equipment. Doch meine Güte. Das Gewicht! Soll ich es mir denn wirklich geben, diese Kilos den ganzen Tag durch die Gegend zu schlüren? Zugegeben, die Think Tank liegt wie ein sanfter Riese mit dem Gurt auf der Schulter. Große Klasse. Doch trotzdem.... ich werde so gut wie keine Möglichkeit haben, die Tasche abzulegen. Bzw. will das Risiko eines möglichen Diebstahls nicht eingehen. Überleg, überleg und überleg. Da war ja noch der Klotz von Tamron 70 - 200. Brauche ich das wirklich? Nach einigem Hin und Her entschied ich mich, das Tamron wieder aus der Tasche zu nehmen. Immerhin stolze 1,5 kg weniger. Auf die Festbrennweiten wollte ich aber nicht verzichten. Doch es sollte sich zeigen, dass ich weder das Nikon 85er noch das Blitzgerät brauchte. Hätte also noch Gewicht sparen können.

 

Ankunft in Mailand

Nachdem wir in Bergamo gelandet waren, mussten wir noch ein Stündchen mit dem Bus bis in die Innenstadt. Danach mit der U-Bahn direkt bis vor dem Dom. Irgendwie haben wir den ganzen Tag vor dem Dom bzw. auf dem Domplatz verbracht. Oder an/in den naheliegenden Gebäuden. Abgesehen von dem Marsch um einen Schuh-Designer in seinem Showroom aufzusuchen, den Angelique´s Mann über Facebook kannte. Wir hatten gut 7 Stunden Zeit, da haben wir es sowieso locker angehen lassen. Ich habe auch sehr gezielt geshootet. So gezielt, dass ich sage und schreibe in der ganzen Zeit nur knappe 300 Fotos gemacht habe. Also easy. Hauptsache ein paar Treffer dabei.

 

Blende f/1.4 - Uih uih uih

Natürlich wollte ich auch meine neuen Objektive Sigma ART 50 und 35 mm f/1.4 testen. Und meine Fresse.... f/1.4.... das ist schon eine Hausnummer bezüglich der Schärfentiefe. Was muss man da doch verflixt aufpassen. Ehrlich gesagt hätte ich in Mailand mal öfter meinen DOF Calculator einsetzen sollen (DOF kommt aus dem Englischen und steht für "Depth of Field". Und das übersetzt wieder "Schärfentiefe"... im Grunde genommen). Das ist eine App auf meinem Android-Handy, um die Schärfentiefe zu berechnen. Übrigends für Jedermann zu empfehlen. Wenn man mal auf Google-Play schaut und Schärfentiefe-Rechner eingibt, findet man sehr viele Apps. Ich persönlich habe mich für die kostenlose App "DOF Calculator" entschieden. Leicht zu bedienen und auf den Punkt gebracht. Viele Apps sind voll mit irgendwelchen zusätzlichen Funktionen und werden schnell unübersichtlich. Doch der "DOF  Calculator" nicht. Werde mal einen speziellen Bericht darüber schreiben. Jetzt aber zurück zur Schärfentiefe. 

Also, ich geil drauf mit f/1.4 zu fotografieren. Mit dem 50er und mit dem 35er. Doch Du meine Güte.... echt viel Ausschuß. Ist ja auch klar, im Nachhinein. Jetzt überlege mal.... wie weit ist man mit einer 50 mm Brennweite von einer Person entfernt, wenn man ein normales Portrait macht, wo also Kopf mit Schultern abgebildet wird? Ich sage es Dir: ca. 1 Meter Abstand. Jetzt nehmen wir mal den Schärfentiefe-Rechner hinzu und gucken. Ich gebe folgende Werte ein:

  • Brennweite 50 mm bei Vollformat
  • Blende 1.4
  • Abstand 1 Meter

Jetzt halte Dich fest. Das Ergebnis lautet:

  • Schärfe beginnt bei 0,98 m
  • Schärfe endet bei 1,02 m
  • Schärfebereich lediglich 4 cm!! Jeweils 2 cm vor und nach dem Schärfepunkt.

Und wenn Du jetzt denkst, das wäre bei einem APS-C Sensor mit 35 mm Brennweite anders... nö. Macht bei dem Abstand und der Blende nichts aus. Das mal nur zur Info.

4 cm! Ja was ist das denn? Nix! Wie weit ist, zum Beispiel, bei einem Brillenträger das Gestell von der Pupille entfernt? Meist mehr als 2 cm. Machst Du also jetzt den Fehler auf das Gestell zu fokussieren, wirkt das Auge unscharf und somit auch das gesamte Foto. Fokussierst Du richtig, bewegst Dich jedoch noch leicht nach vorne oder hinten oder das Model schwankt.... zack... unscharf. Also mit f/1.4 ist wirklich nicht zu spaßen und man muss verdammt konzentriert fotografieren. Doof nur, dass ich extra mach Mailand musste, um dieses "schmerzhaft" zu erfahren. Erfahrung schützt also vor Dummheit nicht. Shit happens ;-)

Ein weiteres Problem ist die Distanz aus der Hocke heraus. Wenn Du von unten nach oben fotografierst, dann ist die Distanz zur Körpermitte eine andere als die zum Gesicht. Und wenn Du jetzt den mittleren AF-Punkt auf das Gesicht legst und dabei die Kamera weiter anwinkelst, um das zu erreichen, dann wieder zurück gehst in die Ausgangsposition des Winkels, mit dem Du eigentlich fotografieren möchtest, dann glaube ich kaum, dass Du Dich freisprechen kannst bezüglich der Veränderung der Distanz. Auch da sind dann 4 cm eine echte Herausforderung.

 

Die Ergebnisse

Natürlich habe ich nicht nur mit dem 50er auf f/1.4 fotografiert, sondern auch kleinere Blenden sowie das 35er benutzt. Daher hält sich mein Ausschuss noch in Grenzen. Ich brauche sowieso keine 50 Treffer von einer Location. Wenn ich pro Location 1 bis 2 gute Fotos habe, bin ich immer vollstens zufrieden. Mehr zeigt man in der Regel in seinem Portfolio sowieso nicht.

Dieser Artikel ist nun eher fertig als die Fotos. Doch Zwei möchte ich Euch trotzdem schon zeigen, die ich gleich nach meiner Ankunft fertig gemacht habe. Weitere werden noch folgen. Alle Fotos wurden mit natürlichem Licht aufgenommen und mit der Nikon D750. Die Brennweite der Objektive kannst Du den Exif-Daten entnehmen, die jeweils über den Fotos stehen.

 

1/800 Sek bei f/1.8, ISO 100, 35 mm
Mailand Fashion im Gegenlicht

 

1/4000 Sek bei f/1.8, ISO 200, 50 mm Portrait mit Aufhellung durch Reflektionen

Ähnliche Beiträge

 

Kommentare

Derzeit gibt es keine Kommentare. Schreibe den ersten Kommentar!
Bereits registriert? Hier einloggen
Gäste
Dienstag, 07. Juli 2020

Sicherheitscode (Captcha)