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Die Vollautomatik - Out of Control

Die Vollautomatik - Out of Control
Die Vollautomatik ist ok, solange man keine Ansprüche hat bezüglich gezielter Kreativität. Doch irgendwann ist es einfach genug.
 
Man hat die Schnauze voll von den Ergebnissen. Die mal ganz toll werden, anderes Mal aber in den digitalen Mülleimer gehören. Allen voran der Blitz, der ab und zu rausgeschossen kommt und das Foto "totblitzt". Oder der Autofokus, der einfach irgendwo scharf stellt ohne Dich zu fragen. Oder ab und zu wird der Hintergrund bei einem Foto schön unscharf, ein anderes Mal aber nicht. Oder die Kinder, welche Du in der Wohnung fotografierst und ständig unscharf werden, weil sie eben nicht still halten. Und dann sehen die auch noch alles so komisch in den Farben aus. Fürchterlich. Sätze mit Oder könnte ich jetzt noch einige mehr bringen.
Findest Du Dich darin wieder? Vielleicht zum Teil? Wenn ja, wollen wir mal gerade analysieren, was die Vollautomatik eigentlich macht.
 
 

Out of Control

Modus VollautomatikDu hast die Kamera auf Vollautomatik gestellt. Damit gibst Du der Kamera natürlich die volle Kontrolle, wie sie was meint sehen zu wollen und dieses auch auf den Sensor zu knallen. Du hast ihr gesagt: "Mach Du mal, Kamera. Denn ich habe sowieso keine Ahnung". Ja, und das tut sie jetzt auch. Mit den Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen und wie die Software es ihr vorschreibt. Das Dumme ist nur, die Kamera weiß nicht, was sie fotografiert. Sie weiß nicht, ob es eine Blume ist oder ein Elefant, ob sich das Ding bewegt oder still steht. Sie weiß nur Eines: Ich muss das Foto richtig belichten. Also nicht zu dunkel und nicht zu hell machen. Mehr nicht! Und sogar das funktioniert nicht immer.
 
 

Die Kamera guckt anders

Du siehst das, was Du fotografieren möchtest, wenn Du durch den Sucher oder dem Monitor der Kamera schaust. Da lächelt Dir ein Kind rüber, da summt gerade eine Hummel rum oder jemand läuft vor Dir weg. Was auch immer. Ja und was sieht die Kamera? NUR einfallendes Licht..... Reflexionen. MEHR NICHT! Und aufgrund dieser Reflexionen regelt sie die Werte des Belichtungs-Dreieck. Du hast doch hoffentlich schon die vier Artikel gelesen, die sich damit befassen? Hier nochmal kurz die Links:
 
 
 
Musst jetzt nicht direkt drauf, doch solltest Du das spätestens nach dem Durchlesen dieses Artikels tun. Jetzt erstmal zurück zum Thema.
 
Also, die Kamera, genauer genommen die Belichung, misst nur Reflexionen. Kommen wenig Reflexionen rein, zieht die Kamera die ISO hoch, macht die Blende weit auf und versucht, so noch einigermaßen akzeptable Verschlusszeiten zu erreichen. In der Regel versucht sie bei mindestens 1/60 Sek zu bleiben. Wenn sie längere Verschlusszeiten benötigt, und das ist immer bei schlechtem Licht oder Dämmerung/Nacht der Fall, dann haut sie diesen für Dich noch schäbigen Blitz raus und legt die Verschlusszeit auf jeden Fall auf 1/60 Sekunde fest. Der Blitz wird dann zum Hauptlicht und verhunzt unter Umständen das Foto von der Atmosphäre her, mindestens. Wenn Du pech hast, sieht das Foto sogar noch überbelichtet aus, also viel zu hell. Spielst Du mit den Modis P, A bzw Av (Canon) oder S bzw. Tv (Canon) rum, bleibt der Blitz vielleicht drin, aber die Verschlusszeiten werden unter Umständen zu lang, um eine Bewegung einzufrieren. Hier empfehle ich auch wieder den Artikel "Die Verschlusszeit verstehen".
 
 

Viel Licht - Deine Erlösung

Bei viel Licht, tagsüber in der Sonne zum Beispiel, wirst Du so gut wie nie Probleme bekommen mit der Bewegungsunschärfe. Da werden die Verschlusszeiten so kurz, dass die meisten Bewegungen mit Leichtigkeit eingefroren werden. Die Kamera holt dann auch nicht den Blitz raus, weil ja genug Licht da ist. Probleme bekommst Du höchsten in der Kreativität bezüglich der Schärfentiefe. Also wenn Du bei viel Licht den Hintergrund unscharf haben möchtest. Denn die Kamera bekommt viel Reflexionen rein, daher wird sie die ISO senken (gut), die Verschlusszeit kurz halten (gut) und die Blende schließen (in dem Falle schlecht). Denn eine geschlossene Blendenöffnung im Objektiv bedeutet eine große Schärfentiefe. Empfehlung: "Die Blende verstehen".
 
Große SchärfentiefeGroße Schärfentiefe bei viel Sonne in der Vollautomatik
1/500 Sek bei f/11, ISO 100
 
 

Under Control - Übernehme die Führung

Du übernimmst die Führung der Kamera, sobald Du die Modis P, A bzw Av (Canon), S bzw. Tv (Canon) oder M nutzt. Da hast Du je nach Bedarf alle Möglichkeiten, die Kamera nach Deinen Bedürfnissen zu kontrollieren und gezielt kreative Effekte zu erreichen. Du bestimmst zum Beispiel die Schärfentiefe, indem Du im Modus A bzw. Av die Blende kontrollierst. Du bestimmst die Verschlusszeit im Modus S bzw. Tv. Und der Modus P ist die "bessere Vollautomatik", da Du der Kamera die Wahl über Blende und Zeit noch selbst überlässt, aber trotzdem schon viele Dinge selbst unter Kontrolle hast. Alleine schon Herrscher über den Autofokusmesspunkt zu sein, also wo die Kamera auf jeden Fall scharf stellen soll, ist die halbe Miete. Stelle Dir vor, der Maler steckt den Pinsel in einen Farbtopf und der Pinsel entscheidet, welche Farbe es sein soll. Geht doch nicht!
 
 
 

Vollautomatik ist überflüssig

Sobald Du die Modis P, A/Av, S/Tv oder M beherrscht, wirst Du nie wieder die Vollautomatik nutzen. Auch nicht die vordefinierten Vollautomatiken mit Schwerpunkten wie zum Beispiel Portrait, Landschaft, Sport oder Makro. Professionellere Kameras haben diese komischen Automatiken gar nicht mehr. Aber P, A/Av, S/Tv oder M immer. Denn nur mit der Benutzung dieser Modis wirst Du zum Profi oder sehr guten Hobbyfotografen. Und Deine Kamera wird in Deinen Händen zu einem "devoten" Werkzeug, welches sich mit Hingabe kontrollieren lässt und genau das macht, was Du gerne möchtest.
 
 

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Freitag, 18. September 2020

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