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Die hyperfokale Distanz - unendliche Schärfe

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Schärfe, Schärfentiefe und jetzt auch noch die hyperfokale Distanz. Doch es ist ganz easy, ehrlich :-) Und dazu gibt es noch eine tolle App mit dem Namen Hyperfocal Pro.

"Boah ey... brauche ich das wirklich? Die hyperfocale Distanz? Ich focusiere doch auf unendlich und dann habe ich in der Landschaftsfotografie oder sonstwo alles scharf, von vorne bis hinten". Pustekuchen! Denkste! Ganz so einfach ist das nicht, doch auch nicht schwer. Gucken wir doch mal, was damit gemeint ist. Und wie Dir die App Hyperfocal Pro helfen kann.

 

 

Die hyperfokale Distanz 

 

Als hyperfokale Distanz bezeichnet man die Entfernung, auf die man fokussieren muss, um die in der Unendlichkeit befindlichen Objekte so gerade noch scharf abgebildet zu bekommen. Die Schärfentiefe reicht dann von der halben hyperfokalen Distanz bis zur Unendlichkeit.

 

 

Beispiel:

 

Du möchtest eine Landschaftsaufnahme machen. Hast Deine Kamera platziert, hoffentlich auf Stativ und wählst den Bildausschnitt mit Deiner favorisierten Brennweite. Machst die Blende natürlich ziemlich weit zu, eben weil Du eine große Schärfentiefe erreichen möchtest. Bisher hast Du einfach in die Unendlichkeit scharf gestellt, irgendwo da ganz hinten. Glaube mir, Du hast es bisher immer falsch gemacht. Klar wird das Foto scharf, doch die gesamte Schärfentiefe ist einfach nicht optimal.

 

In diesem Beispiel ist Deine Brennweite 30 mm und Du fotografierst mit f/16 mit einem APS-C Sensor. Jetzt sage ich Dir folgende Zahl: 3 Meter! Du musst also auf ein Motiv focussieren, was 3 Meter von Dir entfernt ist. Dann wird das Bild ab 1,5 Meter bis unendlich scharf abgebildet. Die paar Zentimeter schenken wir uns einfach in diesem Beispiel.

 

Hyperfocale Distanz

 

 

Tja, das haut Dich jetzt um, oder? Hast Du doch immer einfach den Autofokus irgendwo bis Honolulu gehalten und hast gedacht, das Foto wird schon irgendwie von vorne bis hinten scharf. Und jetzt kommt der Michi daher und erzählt Dir was Anderes.

 

 

Blende und Brennweite

 

Die Kombination Blende und Brennweite hängt untrennbar mit der Schärfentiefe zusammen. Jeder Wert, den Du kombinierst, hat seine ganz eigene hyperfokale Distanz. Fotografierst Du immer mit 30 mm und f/16, dann habe ich  Dir schon mal die hyperfocale Distanz verraten. Nämlich 3 Meter. Für jede Blende und für jede Brennweite musst Du eben nur immer ausrechnen, wo der optimale Schärfepunkt sitzt. Umständlich, ne? Aber Mensch, wir haben doch unsere Smartphones !! :-)

 

 

Meine favorisierte App für Android: Hyperfocal Pro 

 

Du findest im Internet eine verbreitete Formel, mit der man genau berechnen kann, auf welche Entfernung Du bei x-beliebiger Blende/Brennweite scharf stellen musst. Diese lasse ich hier bewusst weg. Denn mal ehrlich, hättest Du Lust jedes Mal die entsprechende Distanz auszurechnen? Nein? Dann geht es Dir wie mir. Und ich fauler Hund wäre nicht ich, wenn ich dafür keine App auf meinem Smartphone hätte.

App's gibt es wirklich sehr, sehr viele. Meistens findet man die, wenn man Depth of Field eingibt. Denn das ist die englische Bezeichnung für die Schärfentiefe. Ich habe wirklich schon sehr viele App's ausprobiert. Meistens sind sie sehr überladen. Doch Eine nutze ich jetzt schon seit langer Zeit: Hyperfocal Pro. Diese App zeigt auf einfache und übersichtliche Art die erforderlichen Daten an, ohne den Fotografen mit weiteren Informationen zu erschlagen. Zwar in englisch, doch sollte jeder die Angaben lesen können.

 

hyperfocal pro_android_app

 

 

Bedienung der App

 

 

Lasse uns darauf einigen, dass wir für die gemeinsame Erarbeitung der App die gleichen Werte nutzen, damit meine Aussagen auch für Dich nachvollziehbar sind.

 

Schritt 1

Nach dem Start klickst Du erstmal links auf das Feld "Camera" und wählst in dem Menü das Kameramodell Sony Alpha 6000 aus. Das ist wichtig, denn die Schärfentiefe hängt natürlich auch von der Sensorgröße ab. Wenn Du selbst mit der App arbeitest, gibst Du dort später natürlich Dein Kameramodell an.

 

hfd 3

hfd 2_auswahl_kamera

 

 

Schritt 2

Rechts daneben (Lens) dann die Brennweite, mit der Du aufnehmen möchtest. Wir hier 30 mm.

 

hfd 3_lens

hfd 3_auswahl_brennweite

 

 

Schritt 3

Und nun nur noch die Blende (Aperture), f/16

 

hfd 3_auswahlblende

 

Das Feld "Subject distance" ist für die Ermittlung der hyperfokalen Distanz nicht wichtig. Hier gibst Du nur einen Wert ein, wenn Du die Schärfentiefe berechnen möchtest.

 

Nach Schritt 3 wird Dir direkt bei "Hyperfocal distance" die Distanz ausgerechnet, auf die Du scharf stellen musst. Und schon hast Du von 50 % dieser Distanz zu Dir hin bis unendlich alles scharf.

 

hfd 3_hfd

 

 

Die Grafik darunter gibt Dir noch einen besseren Überblick. Und zwar hier erstmal den Schärfentiefebereich, den Du bei 2 Meter hättest, wie bei "Subject distance" angezeigt/eingegeben. Das hat jetzt nichts mit der hyperfokalen Distanz zu tun. Doch die App ist ja nun mal auch ein Schärfentiefen-Rechner. Dazu später. Sollte der Wert in grün bei "hfd" und "focus" unterschiedlich sein, dann klicke doch mal auf das Feld darüber "Subject distance".

 

hfd 4_set_focus_subject_1

 

 

Hier bei der Auswahl auf "use hfd". Somit wird die ausgerechnete hyperfokale Distanz in das Nummernfeld übernommen. Jetzt klicke mal den Haken rechts neben dem Nummernfeld und siehe da, die Grafik ändert sich. 

 

hfd 4_set_focus_subject_2

 

 

Jetzt wird Dir auch grafisch angezeigt, dass die Schärfentiefe bei 50% der hyperfokalen Distanz beginnt und bis zur Unendlichkeit geht.

 

Nun wird es Zeit, dass Du mit der App mal bisschen rumspielst. Wähle Deine Kamera, Deine jeweilige Brennweite, dazu noch die Blende und schwupps bekommst Du die passende hyperfokale Distanz angezeigt. Einfacher geht es nicht :-)

 

 

Vorgehensweise für das Fokusieren:

 

Zur Erinnerung, falls Du nicht mehr weißt, dass Du mit dem Auslöser auch den AF speichern kannst ;-)

 

  • Achte darauf, dass Dein AF-Modus auf jeden Fall auf AF-S bzw. One Shot (Canon) steht 
  • Ziele mit dem AF auf die Entfernung, welche Dir die App anzeigt
  • Halte den Auslöser bist zum ersten Druckpunkt gedrückt, denn damit speicherst Du in der Regel den AF
  • Wähle jetzt wieder den Bildausschnitt und löse aus

 

 

Die App als Schärfentieferechner nutzen

 

Wenn Du wissen willst, von wo bis wo die Schärfentiefe reicht, wenn Du zum Beispiel ein Motiv vom Hintergrund durch Unschärfe freistellen willst, nehme einfach wie oben Schritt 1 bis 3 vor. 

 

  • Kamera wählen
  • Brennweite einstellen
  • Blende dazu
  • und dazu nun natürlich die Entfernung zum Motiv unter "Subject distance"

Jetzt wird Dir in der Grafik die Schärfentiefe angezeigt.

 

 

Beispiel

 

  • Kamera: Sony Alpha 6000
  • Brennweite: 50 mm
  • Blende: f/1,8
  • Distanz zum Motiv: 2 Meter

 

schärfentiefe

 

 

Die Grafik zeigt Dir folgendes an:

 

  • Near limit: Begin der Schärfe - bei 1,95 Meter aufgerundet, also 5 cm vor dem Motiv
  • Far limit: Ende der Schärfe - bei 2,05 abgerundet, also 5 cm hinter dem Motiv
  • DOF: Der gesamte Bereich, welcher Scharf abgebildet wird, beträgt lediglich 10 cm.

Natürlich zeigt Dir die App auch die hyperfokale Distanz an, doch wer fotografiert schon mit f/1,8, wenn er eine große Schärfentiefe haben will? Solltest Du das doch tun, dann musst Du bei dem Beispiel auf ca. 75 Meter Entfernung scharfstellen. Der Schärfebereich wäre dann von 37,5 Meter bis unendlich.

 

Die App hat noch ein paar Sachen mehr zu bieten. Erforsche sie einfach mal ein wenig und sie wird Dir eine unheimlich große Hilfe sein bei Deinen nächsten Berechnungen.

 

Noch ein Tipp am Rande

 

Vielleicht hast Du schon mal gelesen, dass man die Blendenöffnung möglichst nie ganz auf oder ganz zu machen sollte. Sondern immer ein bis zwei Blende auf- oder abblenden. Also mehr öffnen oder schließen. Denn eine komplett geschlossene oder geöffnete Blende erzeugt eine Ablenkung/Umlenkung des Lichts im Objektiv. Jau, jetzt wird es physikalisch. Und eine Umlenkung des Lichts bedeutet nun mal Unschärfe. Für Dich bedeutet das nun folgendes:

 

Sollte Dein Objektiv eine maximal kleinste Blendenöffnung von f/22 haben, solltest Du lieber f/16 oder f/11 nutzen. Andersrum... sollte es eine maximal größte Öffnung von f/2.8 haben, dann nutze f/5.6. Ausprobieren geht auch hier über alles. 

 

 

 

 

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