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Der Modelvertrag beim TFP - Sicherheit für Model und Fotograf

modelvertrag

Jeder, der fotografiert oder sich kostenlos fotografieren lässt, egal ob professionelles Modell oder Gelegenheitsmodell, sollte sich immer mit einem Modelvertrag absichern. Damit die Freude an den Fotos auch nach dem Shooting noch bleibt. Ich gebe Dir Tipps und erzähle aus eigenen Erfahrungen, die mir so im Laufe der Zeit widerfahren sind.

 

Vorab: Dieser gesamte Text bezieht sich auf die TFP-Shootings. TFP steht für "Time for Prints". Model und Fotograf treffen sich, um gemeinsam Fotos zu erschaffen und jeder erhält dann die Veröffentlichungsrechte, aber kein Geld. Seit einiger Zeit gibt es auch Ausdrücke wie "TFCD". Also "Time for CD". Finde ich blöd.  Total blöd sogar :-D Damit ist gemeint, wie die Fotos ausgeliefert werden. Was müsste man denn da noch so alles nennen?

 

  • TFSTICK? = Time for Stick?
  • TFDO? = Time for Download?

 

Merkt Ihr, wie bescheuert das ist? :-D Also bleiben wir doch beim guten, alten Ausdruck TFP. Als die Modelle wirklich noch ausgedruckte Fotos bekommen haben. Wie bei Heidi Klumm: "Hier ist Dein Fotoooooooo! Yeah!" Oder auch nicht. TFP würde auch passen für "Time for Photos". Geht also immer. In Deutsch würde das dann wohl ZFF heißen. Doch was kommt da bei Google zum Vorschein?

 

ZFF = Zentrum für Fußgesundheit, Zeitschrift für Fremdsprachenforschung, Zukunftsform Familie und und und.

 

Einigen wir uns weiterhin auf TFP :-)

 

 

Gründe für ein TFP

 

Die Gründe für ein TFP von Seiten des Fotografen können vielfältig sein. Meine sind da zum Beispiel (die Punkte können mit und/oder verbunden werden):

 

  • Testen von neuem Equipment
  • Ausprobieren von diversen Lichtsettings
  • Erstes Shot mit einem Model für weitere, kommerzielle Zusammenarbeit (insbesondere für Workshops im Ausland)
  • Umsetzung von Bild-Ideen
  • Einfach nur ziellos bisschen rumshooten
  • Flirten :-D (hier bitte nur das UND einsetzen)

 

Welche Gründe die fotografierte Person hat, kann ich nicht sagen. Aber bestimmt immer das Ziel neue Fotos zu bekommen.

 

 

Der Modelvertrag - Recht am eigenen Bild und Urheberrecht 

 

Wenn sich Fotograf und zu fotografierende Person (Modell) treffen, geht es grundsätzlich um zwei Dinge:

 

Urheberrechtsgesetz (UrhG)

Das Urheberrecht bezieht sich auf das geistige Eigentum eines schaffenden Künstlers in ideeller und materieller Hinsicht. Sobald der Fotograf also auf den Auslöser drückt, schafft er durch das vorherige Sehen und das kreative Denken ein Bildnis. Dieses ist somit urheberrechtlich geschützt, weil es durch die Gedanken und Umsetzung des Fotografen entstanden ist.

 

Recht am eigenen Bild

Das Recht am eigenen Bild besagt, das jeder Mensch grundsätzlich selbst darüber bestimmt, ob überhaupt und in welchem Zusammenhang Bilder von ihm genutzt, veröffentlicht und/oder verbreitet werden dürfen. Dieses ist im Grundgesetz verankert.

 

Doch gibt es ein paar wenige Ausnahmen, die das Recht am eigenen Bild einschränken:

 

  • Die abgebildete Person ist nur "Beiwerk" und nicht der Hauptgrund der Aufnahme
  • Die Person ist Teil einer Menschenmenge (Stadtfeste, Konzerte usw.)
  • Der Abgebildete ist eine Person der Zeitgeschichte
  • Die Person hat für die Aufnahmen ein Honorar erhalten 
  • Das Bild hat einen künstlerischen Wert und dient somit einem höheren Wert der Kunst

 

Wann was eintritt, möchte ich hier für mich persönlich nicht festlegen. Sicher ist nur das mit dem Honorar.

 

 

Inhalt des Modelvertrags

 

Folgendes sollte ein Modelvertrag unbedingt enthalten:

 

  • Angaben der Beteiligten, also Modell und Fotograf
  • Regelung der Rechteübertragung
    Der wichtigste Punkt beim Vertrag. Üblicherweise erhält der Fotograf die Rechte an den Fotos ohne Beschränkung. Auch die Nutzung der Fotos durch das Modell wird hier genau festgehalten.
  • Das Recht zur Bearbeitung
    Digitale Bildretusche ist heute normal und die Genehmigung dazu muss vom Modell gegeben sein.
  • Die Vergütung für die Fotos
    Bei einem TFP-Vertrag wird grundsätzlich vereinbart, dass die Vergütung beider Seiten durch den Erhalt der Fotos geregelt ist
  • Alterzusicherung
    Einen Minderjährigen zu fotografieren und dann noch die Fotos zu veröffentlichen kann große Probleme bringen. Daher sollte sich jeder Fotograf vergewissern, dass die Person mindestens 18 Jahre alt ist und sich das auch unterschreiben lassen. Unter 18 Jahren ist auf jeden Fall die Einwilligung der Eltern erforderlich. Sogar beider Parteien, wenn das Sorgerecht bei Vater und Mutter liegt.

 

 

Mein Modelvertrag als Beispiel und die Erklärungen hierzu

 

 

1. Gegenstand des Vertrages

 

Dieser Vertrag gilt für das Fotoshooting am ______________ und alle evtl. folgende, wenn dafür nicht ausdrücklich etwas anderes vereinbart wird. Durch diesen Vertrag kommt kein Arbeitsverhältnis zustande.

 

Erklärung: 

Damit muss ich nicht bei jedem Shot einen neuen Vertrag machen

 

 

2. Vereinbarungen zu den Pflichten der Vertragsparteien

 

  • Das Model erhält als Honorar vom Fotografen innerhalb von 3-5 Wochen (wenn nicht anders vereinbart) nach dem Shooting per Dropbox übersandte Bilder, als voll aufgelöste Bilddatei, welche mittels elektronischer Bildbearbeitung durch den Fotografen aufbereitet werden.  Pro Set bis zu 5 Stück.

    Erklärung:

    Pro Set bis zu 5 Stück... das kann bedeuten, dass im Extremfall auch keine Fotos ausgeliefert werden, wenn ich der Meinung bin, dass sich das Shot von der Ergebnissen her nicht gelohnt hat

     

  • Außerdem bekommt das Model eine Auswahl¹ der im Rahmen des Shootings entstandenen Bildern (unbearbeitet im JPG Format und in Vorschaugröße). Aus diesen Fotos darf sich das Model bis zu 5 Bilder aussuchen die vom Fotografen bearbeitet werden.

    1
    Bei einem Foto-Shooting ist mit einem “Ausschuss“ (falsch belichtete, verwackelte oder unscharfe Fotos) zu rechnen.
    Der Fotograf behält sich das Recht vor, die gesamte Zahl der Fotos, die beim Foto-Shooting entstanden sind, zu bewerten und einer Vorauswahl zu unterziehen. Es werden dem Model ausschließlich die Dateien zur Verfügung gestellt, welche die Vorauswahl des Fotografen bestanden haben.

    Erklärung:
    Die Vorauswahl treffe grundsätzlich ich. 



  • Das Model erklärt sich damit einverstanden, dass die Aufnahmen ggf. mit anderen Bildern, Texten oder Grafiken kombiniert, beschnitten, verändert oder modifiziert werden.

    Erklärung:

    Ich darf die Fotos, egal welche, nutzen und bearbeiten wie ich möchte. Texte beifügen, Bild-Collagen erstellen oder sonst was.

 

 

3. Vereinbarung zu den Bildrechten

 

  • Sämtliche Rechte für jegliche Nutzung und Veröffentlichung, durch Fotograf und Model angefertigten Aufnahmen, werden unwiderruflich und zeitlich unbefristet auf den Fotografen übertragen. Ausgenommen hiervon ist die kommerzielle Nutzung oder Veräußerung in pornographischen oder ähnlichen unseriösen Medien.

    Erklärung:

    Der erste Satz ist die typische Übertragung der Rechte an den Fotografen. Er entscheidet, welche Fotos in welcher Art und Weise genutzt werden dürfen. Der zweite Satz schützt das Modell vor Veröffentlichungen in Medien mit pornographischen Inhalten. 

 

  • Das Model ist berechtigt die entstandenen Fotoaufnahmen, ohne zeitliche, örtliche und inhaltliche Einschränkung in unveränderter Form für private Zwecke, sowie für nichtkommerzielle Zwecke (Eigenwerbung z.B. Internet, Sedcards) in unveränderter Form als Print oder in digitaler Form in jeglichen Medien zu verwenden. Dieses Veröffentlichungsrecht ist nicht an Dritte übertragbar. Eine Weitergabe von Aufnahmen an Dritte Bedarf der vorherigen Genehmigung des Fotografen.

    Erklärung:

    Das Modell darf die von mir bearbeiteten Fotos NICHT überarbeiten oder sonstwie verfremden. Jedoch in dem oben genannten Rahmen nutzen. 

 

  • Im Falle von Veröffentlichungen stellt das Model keine weiteren Ansprüche, auch nicht gegen Dritte (z.B. Verlag, Provider, Webmaster). Bei Veröffentlichung in Printmedien erhält das Model ein kostenloses Belegexemplar, Flyer, etc. sofern dies organisatorisch möglich ist und der Verlag keine anders lautenden AGB hat.

    Erklärung:

    Ich darf die Fotos zur Veröffentlichung frei geben.

 

  • Im Falle einer kommerziellen Nutzung der entstandenen Werke, wird das Model an den Einnahmen (nach Abzug der entstandenen Kosten) bei Aktaufnahmen zu 35% und bei allen anderen Aufnahmen zu 25% finanziell beteiligt.

    Erklärung:

    Erhalte ich für Veröffentlichungen oder Verkauf ein Honorar, wird das Modell zu den genannten Prozentsätzen beteiligt

 

4. Namensnennung

 

Bei jeglicher Veröffentlichung, sei es Online, als Print oder in Publikationen, ist der Name des Fotografen in folgender Form zu nennen: fotodesign-michael.de. Sofern es keine andere schriftliche Zustimmung des Fotografen dazu gibt.

 

Bei einer Veröffentlichung der Bilder durch den Fotografen darf nur der Künstlername des Models genannt werden. Eine Namensnennung liegt beim Ermessen des Fotografen.

 

Erklärung:

Das Modell muss grundsätzlich meinen Namen bei Veröffentlichung nennen. Wenn ich veröffentliche, liegt es mir frei eine Namensnennung durchzuführen.

 

 

Das ist jetzt nur ein Teil dessen, was in meinem TFP-Modelvertrag enthalten ist. Wie man jedoch merkt, hat der Fotograf als Künstler immer mehr Rechte als die fotografierte Person selbst. Umso professioneller ein Fotograf ist, umso "härter" sind die Verträge.

 

 

 

Musterverträge zum Download:

 

Es gibt im Internet jede Menge Musterverträge zum Download. Ein paar Links möchte ich Euch nennen. Ansonsten hilft Google.

 

Downloads von Rechtsanwälten:

 

http://goldbergs.eu/wp-content/uploads/modelrelease_tfp.pdf

http://hoesmann.eu/wp-content/uploads/2012/12/Model-Release-TfP.pdf

 

Sonstige:

 

https://www.pixelio.de/resources/pdf/modelrelease.pdf

https://www.instaff.jobs/arbeitsvertrag/tfp-vertrag-muster-shooting

http://www.living-moments-bodensee.de/pdf/Model-Vertrag-TFP.pdf

 

 

Der Vertrag und die Realität

 

Mit einem Vertrag ist jeder schon mal auf der sicheren Seite und man hat was in der Hand. Doch gibt es da natürlich noch die Menschlichkeit. Und diese entscheidet, ob ich mich strickt an den Vertrag halte oder ob ich mehr anbiete. Das könnten folgende Dinge sein:

 

Herausgabe der Raw-Dateien

Wenn mir ein Shooting so überhaupt nichts gebracht hat, gebe ich auch schon mal die Raw-Dateien raus, damit das Modell die Fotos selbst bearbeiten kann. Dann wird jedoch vereinbart, dass sie auf keinen Fall den Urheber der Fotografien nennen darf. Denn das Endprodukt ist ja dann nicht meines.

 

Erstellung von mehreren Varianten eines Fotos

Ist das Modell sehr professionell und sie braucht die Fotos für die Erweiterung ihres Portfolios und ihr gefällt meine Version des bearbeiteten Fotos nicht, erstelle ich auch eine andere Version. Jedoch immer in dem Rahmen, dass ich noch mein Logo darunter setzen kann. Also das es für mich akzeptabel ist. Möchte sie eine Bearbeitung, hinter der ich nicht stehe, lehne ich das ab.

 

Herausnahme der Fotos aus dem Portfolio/Internet

Es gibt Modelle, die ändern im Laufe ihres Lebens auch mal die berufliche Laufbahn. Es kommt ein neuer Chef oder eine neue Firma und die duldet keine Fotos einer bestimmten Art und Weise. Ich habe schon einer Herausnahme zugestimmt, wenn es sich um Aktfotos gehandelt hat. Bikini und Dessousfotos dagegen sehe ich nicht ein. Da kann mir das Modell gerne die Veröffentlichungsrechte abkaufen. Viele Stunden investiert und dann Fotos heraus nehmen in der Art, wie die Person auch am Strand herumläuft... das sehe ich nicht ein. Bei Dessousfotos kann es jedoch eine Ausnahme geben. Da kommt es auf die Posen an. Es liegt in meinem Ermessen, ob ich die Sachen kostenlos heraus nehme. 

 

Dann gibt es noch die neuen Freunde, die "Lebensabschnittsgefährten". Diejenigen, die mal eben eine Woche mit dem Modell zusammen sind und meinen, Einen auf dicke Hose zu machen und verlangen, dass die Fotos aus dem Internet verschwinden. Hust.... geht´s noch? Sobald die Rechnung für den Verzicht der Veröffentlichungsrechte bezahlt ist, gerne. Ansonsten schön die Klappe halten!

 

Jeder Fotograf wird da seine ganz eigenen Methoden haben, wie er mit bestimmen Situationen umgeht. Das hier sind jedoch Meine.

 

 

Modelle und ihre eigenen Verträge

 

Es gibt Modelle, die ihre ganz eigenen Verträge haben. Meistens wollen sie dann ein Mitbestimmungsrecht, welche Fotos wie, wo und wann genutzt werden dürfen. Es liegt jedem Fotografen frei, darauf einzugehen oder Tschüss zu sagen. Fotografische Anfänger werden sich wohl noch darauf einlassen. Professioneller Fotografen dagegen werden dankend abwinken. Wie ich mich verhalte? Winke-Winke :-)

 

 

 

 

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